Wunsch Geld

17. August 2008

Kein Geld - Zum Imperium verdammt

Abgelegt unter: Allgemein — admin @ 16:05

> > Machtbalance.
>
> Zwischen Staaten? Zwischen Kapital und Arbeit? Zwischen Mann und
> Frau?
> Warum Balance? Ist nicht einer vielleicht “besser” als der andere?
> Warum Macht austarieren, wenn man sie an sich reissen kann?
Im intl System herrscht Anarchie. Es gibt keine übergeordnete Macht.
Also ist sich ihnehin jeder selbst der nächste. Wenn man jetzt aber 5
Staaten hat, die etwa gleich stark sind, dann lohnt es sich für
keinen von ihnen, einen Krieg zu beginnen. Heute ist es sogar noch
besser: Wenn jeder dieser Staaten Atomwaffen hat, lohnt es sich noch
weniger, einen Krieg zu beginnen, wegen der M.A.D. (Mutual Assured
Destruction), die ja schon während des Kalten Kriegs gut funtioniert
hat.
> Ach so, zwischen Staaten. Der Preis dafür war die Niederschlagung der
> aufklärerischen Bestrebungen 1848 und großes Elend unter den
> Fabrikarbeitern. War es das wert?
Also, ob das ausbalancierte internationale System daran Schuld war,
wage ich zu bezweifeln. Das waren wohl eher die egoistischen
Interessen der Wohlhabenden der einzelnen Staaten.
> Keine Ideologien? Wo lebst Du denn? Damals war die Ideologie, daß man
> z.B. Kolonien und Kriegsschiffe haben mußte, sowie die Akzeptanz der
> kapitalistischen Ausbeutung im Inland, weit verbreitet. Das ist doch
> nicht “ideologiefrei”.
Ich rede, wie gesagt, vom internationalen System, das, zB von
1945-1990 durch einen Ideologiegegensatz geprägt war. Daß es immer
Ideologien gab und gibt (und diese immer Unheil anrichten) ist schon
klar.
> > - Treib jemanden in die Ecke, ohne Ausweg, und er wird wie wild um
> > sich schlagen (Palästinenser).
> Instinkthandlung. Machen Tiere genauso.
Naturgesetz
> > - Gib jemandem Panem et Circensis im überfluß, und er wird allen
> > deinen Entscheidungen zustimmen (US-Amerikaner).
> Das stimmt so. Die Akzeptanz von Brot und Spielen ist abhängig von
> der Bildung. Also Naturgesetz ginge mir da ein bißchen zu weit. Sagen
> wir, ein Erfahrungswert.
Abhängig von der Bildung? Naja, teilweise hast du wohl recht. Aber
wenn ich mir heute Deutschland angucke, wie konsumgeil alle sind und
wie wenig kritisch, dann läßt mich das doch an dieser Aussage
zweifeln.
> Ich lehne Religionen nicht ab, weil sie metaphysische Konstrukte
> sind. Ich habe selber Ideale, die sich nicht wissenschaftlich
> begründen lassen (Menschenrechte, Ablehnung der Todesstrafe). Mir ist
> nur die Methode vieler Religionen (einfaches Glauben ohne Reflektion
> sowie das Fehlen von Deduktion/Induktion, totalitärer
> Herrschaftsanspruch) suspekt.
Ack.
> Um die gerechte Verteilung von Bildung und die Garantie der
> Freizügigkeit. Zur Selbstverteidigung.
> Pazifismus ist eine sehr große Idee, die wahrscheinlich richtig ist
> (nämlich daß man Gewalt ablehnt, weil sie nur wieder neue Gewalt
> evoziert). Da mein Leben allerdings begrenzt ist, und mir der Einsatz
> von Gewalt temporär durchaus Freiheit verschaffen kann, lehne ich sie
> nicht ab. Da ist mir das Hemd näher als die Hose.
Auch ack.
> Der Blick des Fremden auf das eigene ist sehr sinnvoll. Natürlich
> nehme ich für mich in Anspruch, daß deutsche System der
> Krankenversicherung oder Bildungsfinanzierung ggü. dem englischen als
> besser zu betrachten und es als Vorbild zu propagieren.
Außer der privaten Krankenversicherung, die das ganze Solidarsystem
aufweicht. Allerdings kenne ich das Englische nicht.
> Wahrscheinlich ist das in Mexiko noch viel extremer.
Anders.
> > bist, wo es weder Polizei noch Recht gibt, außer das des Stärkeren.
> > Da ist dann die 45er in der Tasche mehr wert als irgentein
> > Gesetzestext.
>
> Warum ist das dort so?
Fehlenden Soziales Kapital
> Warum ist das hier nicht so?
Hier konnte sich in den letzten 300 Jahren ausreichend Soziales
Kapital entwickeln.
> Was ist besser?
Mögl. viel Soziales Kapital zu haben.
Soziales Kapital: Die Menge des Grundvertrauens das jedes Mitglied
der Gesellschaft von sich heraus gegenüber den anderen Mitgliedern
der Gesellschaft hat. Meßbar durch befragungen. Geringes Soziales
Kapital (starkes Mißtrauen) führt dazu, daß man selbst auch dazu
neigt, andere zu belügen und zu betrügen (da man dies ja von den
anderen so auch erwartet). Das führt dann primär zu Unterentwicklung
eines Landes.
Zum Beispiel hat die Hemmungslose Ausbeutung der europäischen
Kolonien durch Europa dort jegliches Soziales Kapital weitgehend
zerstört. Deshalb leben so gut wie alle diese Länder heute in Armut.
Persönlich mag ich zwar ganz gern das mexikanische System, allerdings
ist es wohl doch gewöhnungsbedürftig, weil es sehr viele Prinzipien
und Grundsätze, die man aus Europa kennt, in Frage stellt. Aber das
wird wohl in jedem Drittweltland so sein. Das Problem ist eben nur,
daß man dort wirklich jahrelang leben sollte, um die Kultur
kennenzulernen. 2 oder 3 Jahre sind echt zu wenig.
> Wer profitiert von der jeweiligen Ordnung, wer nicht?
> Wer könnte dementsprechend ein Interesse haben, die eine oder andere
> Ordnung zu erhalten oder auszubauen oder abzuschaffen?
> Stellst Du Dir manchmal diese Fragen?
> Oder betrachtest Du den Menschen als hilfloses Objekt seiner
> kollektiven Handlungen?
Sowohl als auch. Zwar nicht “den Menschen”, aber wohl die meisten
Menschen. Allerdings muß ich sagen, daß in der EU die Menschen schon
ganz schön vom System profitieren. Also, wirtschaftlich Betrachtet
geht es der EU doch recht gut. Was Machtstrukturen angeht ist es in
Deutschland relativ einfach, aufzusteigen.
> Diese Realität existiert aber nicht unabhängig von den
> Ausbeuterstrategien der Kaffeeproduzenten. Es ist deren Realität,
> denn sie profitieren am Meisten von einem niedrigen Kaffeepreis. Es
Die Produzenten? Du meinst die internationalen Distributoren? Die
Produzenten sind lokale Gesellschaften und Genossenschaften, die auch
alle sogut wie pleite sind.
> ist kein Naturgesetz, daß die Bauern dort so wenig verdienen: Auch in
> Europa hat es fürchterliche Armut unter den Bauern gegeben, bis diese
> ihre Interessen organisiert haben und ihr Stück vom Kuchen bekommen
> haben. Seitdem lebt der holländische Gurkenzüchter und der bayrische
> Almbauer ganz gut.
Genau. Dafür muß sich aber zunächst Soziales Kapital entwickeln. Der
Grund der schwäche von Gewerkschaften in Drittweltländern ist das
fehlende Vertrauen der Mitglieder in die Führung und der Führung in
die Mitglieder. Also denkt jeder weiterhin an sich selbst und das
solidarprinzip funktioniert nicht.
> Was den Kaffepreis angeht, so gibt es viele Profiteure: Den Staat,
> der dadurch Steurn einnimmt, den Konsumenten der rel. billigen Kaffee
> hat aber eben zuallererst die Multis, die den größten Anteil
> einsacken.
Vor allem die Multis.
> Früher hat man die Gewerkschaftsführer der Kaffeebauern
> zusammengeschossen, wenn sie mehr Lohn wollten, heute geht das
Oder man hat den Führern mehr Lohn gegeben, und schon waren sie
ruhig.
> subtiler: Man baut mit Geldern der Weltbank ein Land als
> Kaffeeproduzent auf (Vietnam) damit der Weltmarktpreis zusätzlich
> gedrückt wird.
Nach genügend Lobbyarbeit der Kaffeemultis.
> > Die Realität der Ersten Welt wird nicht von deren Eliten gemacht,
> > sondern von den Menschen selber.
> Das sehe ich anders. Was meinst Du, für was Veranstaltungen wie die
> Bilderberger Konferenz, die Atlantikbrücke oder auch das WEF da sind?
> Hier werden von den Eliten die groben Leitlinien formuliert,
> verhandelt und organisiert, nach denen die Welt nach Meinung der
> Kapitalisten funktionieren soll. Mit ziemlichen Erfolg, wie man
> anerkennen muß.
Klar, das jeder Versucht, die Realität nach seinen Kriterien zu
gestalten. Und auch klar, daß die die mehr Geld haben, dazu bessere
Möglichkeiten haben. Ich wehre mich aber gegen dieses “von den Eliten
gemacht”-Denken. Wer sind “die Eliten”? Was ist “gemacht”?
In der Ersten Welt, seien wir mal ehrlich, hat so gut wie jeder die
Möglichkeit, an diesen Dingen teilzunehmen. Es ist eben nur mit sehr
viel Arbeit verbunden. Parteiarbeit oder Verbandsarbeit oder
Bürgerinitiativenarbeit. Die meisten tun aber nichts, weil sie lieber
shoppen gehen oder ins Kino.
Wirkliche Unterdrückung, das wollte ich mit meinem Mexicovergleich
sagen, ist, wenn die jemand ne 45er an den Kopf hält. Dann sagst du
entweder ja, oder nie wieder was.
> Sehr seltsam, daß in diesen Gremien, die dritte Welt so
> unterrepräsentiert ist.
Kein Geld.
> Rote Pille oder blaue Pille? (Alice in Wonderland)
Danke für den Hinweis in Klammern! ;)

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