Wunsch Geld

Das leidige Geld - Sind wir alle kriminell?

Das Interview mit Herrn Dr. Hartmut Spiesecke zeigt, daß die
Phonoindustrie sich um Geld betrogen fühlt und dieses um jeden Preis
nicht verlieren will. Die Fragen, die die Nachteile für die ehrlichen
Käufer und Benutzer anpsrechen, werden ignoriert und geschickt
umschifft. So ist es für Herrn Spiesecke eine Selbstverständlichkeit
für Käufer, Kopierschutzmaßnahmen so hinnehmen zu müssen, wie sie
durchgesetzt werden. Das Recht des privaten Nutzers, das erworbene
Produkt für sich selbst so zu verwerten, wie es ihm persönlich am
Angenehmsten ist, wird ihm dabei genommen. So ist es zum Beisiel für
mich unerläßlich, digitale Kopien meiner gekauften Audio-CDs in
Originalform auf die Festplatte zu kopieren und dort verlustfrei (LPAC)
zu komprimieren, damit ich nicht gezwungen bin, ständig CDs zu wechseln
(Archivierung). In einem solchen Fall wird mir die Möglichkeit
genommen, eine Kopie für mich selbst anzufertigen. Abgesehen davon
scheint das Argument der Sicherheitskopie zu schwinden. Was wird
passieren, wenn meine Katze mit ihren Krallen über meine 50DM-CD fährt
und diese damit unbrauchbar wird? Das Geld ist futsch, und ich bin
gezwungen, mir eine neue CD zu kaufen. Ein Umtauschrecht, was bei den
hohen Preisen selbstverständlich sein sollte, wurde noch nirgendwo
propagiert und meines Wissens auch nicht praktiziert.
Schließlich ist mein PC für mich die Kommunikationszentrale, bei der
alle Fäden zusammenlaufen. Es ist nicht abzustreiten, daß der PC ohne
Weiteres in der Lage ist, sämtliche Anforderungen im täglichen Bereich
zu meistern.
Das fadenscheinige Argument von Herrn Spiesecke, daß auf der CD auch
ein MP3 zum Höhren auf dem PC vorhanden sei, entspricht nicht dem
Original, das man erworben hat. Als Beispiel sei hierfür das Lied
“Clubbed to Death” auf der “Matrix”-Soundtrack-CD von “Rob D”
herangeführt, bei dem ich mit 100%iger Sicherheit erkennen kann, ob es
sich um eine CD oder MP3 handelt, denn es fehlen höhrbar Töne, die
selbst bei variabler Bitrate mit der höchsten Qualität nicht
herbeizubringen sind (wohl ein “Bug” des psychoakustischem Modells).
Diesen Kompromiß werde ich keinesfalls dulden - aus diesem Grund habe
ich mir übrigens den Soundtrack auf CD gekauft, eben weil MP3
unzulänglich ist in dieser Hinsicht.
Ein nicht ganz unwichtiges Argument für den Neukauf von Audio-CDs ist
meiner Ansicht nach für den - weitestgehenden - ehrlichen Mann der
nicht zu unterschätzende Faktor Archivierung und die langjährige Freude
am Produkt. So ist mir eine “Genesis”-CD unbrauchbar geworden aufgrund
der Alterung von CDs, die mich zum Neukauf zwang, da ich eben keine
Sicherungskopie gemacht hatte (”Trespass”). Der Phonoindustrie fließt
somit zusätzliches Geld in die Kassen, das die “Gelegenheitskopierer”
wenigstens teilweise wieder ausgleicht. Von einem Verlust kann man nur
reden, wenn man die genauen Zahlen gegenhält, die wohl niemand zur
Verfügung hat und die die Industrie wohl auch niemals veröffentlichen
wird.
Nebenbei glaube ich nicht, daß es den Produzenten und Herstellern von
Musik geldmäßig so furchtbar schlecht geht, als daß die Bürden für den
ehrlichen Nutzer damit gerechtfertigt werden. Vielmehr ging schon die
Meinung kund, daß es den Urhebern von Musik deutlich schlechter ergeht
als der Phonoindustrie, diese also bei Weitem kein so großes Stück vom
Kuchen abbekommen wie der Rest der Kette, die dahinter hängt, besonders
bei weitgehend unbekannten Künstlern, die somit behindert werden, ihren
musikalischen Geist auf Tonträgern zu übertragen.
Zudem ist die Vorstellung des Kopierschutzes von Herrn Spiesecke eine
Enteignung des geltenden Rechts, die CD in jedem geeigneten Player
abspielen zu können/dürfen (siehe auch Beiträge zum Red-Book-Standard
in diesem Forum!). CD-ROMs wurden ebenfalls dafür gebaut, Audio-CDs
abzuspielen - sömtliche Audio-CDs müssen sich nach diesem Standpunkt
also auch in jedem CD-ROM ungehindert abspielen lassen. Die Schwelle,
ob man “nur” CD-ROMs an ihrer Funktion als CD-Player hindert oder ob
man auch normale CD-Player blockiert, scheint zu verschwimmen.
Nun könnte das Agrument kommen, das CD-ROM sei in der Lage, mehr als
nur Audio-CDs zu verarbeiten. Hier ist jedoch Vorsicht angebracht, daß
sich die Industrie nicht selbst aussperrt: Wenn sämtliche CDs derart
geschützt sind, daß sie in keinem CD-ROM mehr laufen, dann kann man
auch keine Software installieren, oder wir gehen zurück zu Disketten,
für die es übrigens KEINEN Kopierschutz gibt…
Es ist fraglich, ob Nicht-Standard-CD-ROMs in Zukunft noch das “Compact
Disk”-Label tragen dürfen. Es stellt eine künstliche Sperre dar, die
technologisch und ökonomisch fraglich ist.
Die Gier nach Geld behindert den technologischen Fortschritt. Je weiter
wir vorankommen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, daß wir
irgendwann wieder mit dem Stöckchen Feuer anmachen werden.
Vielen Dank fürs Lesen des langen Beitrags :-) The U.C.W.

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