Wunsch Geld

Re: - Glück und Geld?

geld > > > Die “Ärmsten” sollen zunächst mal sehen, daß sie ihre Lebenssituation
> > > > > selbst verbessern.
> > > > Oh ja. Das ist in etwa so, als würdest du einen zum Tode verurteilten
> > > > vorschlagen, dass er doch einfach aus dem Gefägnis ausbrechen soll.
> > > Um deinen Vergleich nur etwas weiter zu führen: Wenn der Betreffende
> > > in der Todeszelle sitzt, dann hat er vorher sehr wahrscheinlich
> > > ziemlich Scheisse gebaut. Und ist von daher für seine Lage
> > > mitverantwortlich.
> > Inwiefern hast du ‘Scheisse gebaut’, wenn du in eine sogenannte
> > ’sozial schwache Familie’ geboren wirst, noch dazu in einem ‘duenn
> > besiedeltem Wirtschaftsgebiet’?
> Diese Argumentation ist so alt wie falsch. Auch die überwiegende
> Mehrzahl der Menschen aus “sozial schwachen Familien” in “duenn
> besiedeltem Wirtschaftsgebieten” wird NICHT kriminell.
Der ‘Knast’ im Beispiel war ja auch nur eine Metapher fuer die
Zwangslage, in der sich ein Hartz4-Empfaenger wiederfindet…
> Und auch in
> den “übelsten” Vierteln ist die Mehrheit der Menschen NICHT
> arbeitslos.
Wenn du die aktuelle Debatte um die Probleme unseres Bildungssystems
verfolgt haettest, wuesstest du, dass eben jeniges als ‘hochselektiv’
(im Vergleich mit den anderen europaeischen Laendern) eingestuft
wurde. Das heisst, dass in erster Linie die Herkunft darueber
entscheidet, welchen Weg ein Schueler von der Grundschule aus weiter
einschlaegt - nicht seine tatsaechlichen Faehigkeiten. Aufs Gymnasium
gehen ueberproportional viele Nachkommen von ‘gut situierten’
Familien oder z.B. auch Beamten - egal ob die Kinder ueberhaupt das
geistige Ruestzeug dafuer haben (im Zweifel gibts dann privat
finanzierten Nachhilfeunterricht). Bei den Kindern eben aus ’sozial
schwachen Familien’ kann man einen analogen Trend in der
entgegengesetzten Richtung nachvollziehen: Diese werden von Beginn an
ausgegrenzt, demotiviert und landen dann oft auf der Hauptschule,
obwohl sie durchaus fit fuer die Realschule oder gar fuers Gymnasium
waeren. Sie haben dann nur noch die Chance eines hoeheren Abschlusses
auf dem ‘zweiten Bildungsweg’ - d.h. wenn sie sich ihre Motivation
durch die Hauptschule nicht gaenzlich zunichte machen lassen, was gar
nicht so leicht ist.
> Es gibt lediglich eine erhöhte Wahrscheinlichkeit dazu.
Eine _ueberproportional_ erhoehte Wahrscheinlichkeit, waerend das in
anderen europaeischen Staaten (die auch ne bessere Pisa-Quote
aufweisen) durchweg gleich verteilt ist!
> Von daher ist
> dieser Zusammenhang nie zwangsläufig oder gar kausal - rein
> statistische Zusammenhänge (und mehr ist das nicht) entbinden nicht
> von persönlicher Verantwortung, relativieren sie bestenfalls.
Du meinst, nur weil es Ausnahmen gibt (die die Regel bekanntlich
bestaetigen), haette jeder die Moeglichkeit dazu, sich zur Ausnahme
zu erklaeren und den Regel-Kaefig zu verlassen? Schoen waers…!
> > Deine vorraussichtliche Perspektive
> > heisst ‘Hauptschule’, dein daraus folgendes Schicksal ‘Hartz 4′. Du
> > hast - wenn ueberhaupt - nur eine /theoretische/ Chance!
> Es liessen sich genug Gegenbeispiele finden - also Menschen aus
> diesen Schichten, die es trotzdem geschafft haben.
Wie gesagt, Ausnahmen bestaetigen die Regel. Aber mehr auch nicht.
> Und wieso sollten
> diese Chancen nur “theoretisch” sein? - Was nicht dagegen spricht,
> daß man diesen menschen beim Nutzen ihre durchaus vorhandenen Chancen
> helfen sollte.
Ja siehe oben - wenn du als Kind spuerst, dass du im Abseits stehst,
weil deine Eltern nichts haben und darum auch nichts sind… dann
schlaegt sich das durchaus auf deinen Gemuetszustand wieder, auf
deine Lust, dich an diesem unfairen /Scheissspiel/ zu beteiligen. Die
Lehrer tun oft das ihrige dazu, dich auf deine ‘Karriere’ in der
Hauptschule vorzubereiten (ans Gymnasium braucht so jemand wie du gar
nicht zu denken) etc pp. Menschen - vor allem Kinder - sind nunmal
keine gefuehllosen Automaten. Vieles haengt von dem Feedback ab,
welches sie von den Autoritaetspersonen und ihrem Umfeld erhalten.
Nicht jeder ist zum egomanischen Einzelgaenger geboren, dem
schlichtweg egal ist, was andere von ihm denken, zu ihm sagen (auch
laut in der Gruppe) oder wie er behandelt wird, der einfach nur stur
geradeaus seinen Weg geht… Die meissten kapitulieren irgendwann vor
dem Gruppendruck und fuegen sich in ihr vermeintliches, von
gesellschaftlichen Normen und Erwartungen vorgezeichnetes Schicksal.
> > Um im Bild zu bleiben: Den Grund, warum du in der Todeszelle sitzt,
> > nennt man ‘Sippenhaft’.
> Man kann sich von seiner “Sippe” lossagen - allerdings brauchts dafür
> tatsächlich Mut und Tatkraft.
Das kannst du erst ab einem gewissen Alter und da sind /diese/
Weichen schon lange gestellt. Aber soll es das denn sein? Seine
Herkunft verleugnen, sich eine Maske aufsetzen und einen verbissenen
Egotrip fahren, bloss um die gesellschaftliche Anerkennung zu
‘erzwingen’, die einem sonst vorenthalten, anderen jedoch einfach
nachgeworfen wird? Ich finde das hoechst fragwuerdig weil ungerecht.
by,
DVC

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